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WHS024 Geschichten aus der alten Hoffnungsschimmerei

12/20/2013

Es war einmal vor langer Zeit ein Schreiberling mit flinker Feder. Der murmelte alles vor sich hin, das seine Hand zu Papier brachte. Noch bevor die Tinte trocken und der letzte Punkt gesetzt war, konnte so ein aufmerksamer Zuhörer jedes Wort seiner Geschichte hören und anderen davon berichten. Dies sprach sich im Dorfe schnell herum und so wurde die Schreibstube von Meo Mespotine als Hoffnungsschimmerei bekannt.

Beinahe unbemerkt vom großen Dichter wurden seine Geschichten im Dorf von Mund zu Mund getragen. Bald schon saßen junge Burschen und Mägde unter dem Fensterbrett der alten Hoffnungsschimmerei, um die neuesten Erzählungen zu hören und sie ihren Herrinnen und Herren zu bringen. Der Adel lies sich und Gästen von Ausserhalb die Geschichten in ihren Villen vortragen. Manche Erzählungen liess man sogar von Trommlern ankündigen.

Bald schon standen Grafen, Herzoginnen und Priester im Dorf Schlange, um sich die Geschichten von Meo Mespotine erzählen zu lassen. Solche Geschichten hatten sie zuvor nämlich noch nie gehört. Schließlich erwischte Mespotine einen der Buben unter seinem Fenster und stellte ihn zur Rede. Er beichtete ihm alles. Der Meister aber war entzückt und erzürnt zu gleich und wurde beim Herren des Burschen vorstellig. Seine neueste Geschichte sollte er ihm selbst vortragen, aber als er dies versuchte, unterbrach ihn der Herr. Dies sei ganz anders, als die Geschichten, die ihm seine Diener angetragen hatten. Da liessen sie den Burschen kommen und verglichen ihre Geschichten. Und es zeigte sich, dass ein papiernes Gedächtnis stärker war, als das der Kinder, aber die Einbildungskraft jener jedes Gedächtnis übertraf.

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